Willkommen Leser ! ::
Dienstag, 02. Dezember 2008 18:07
Home Suche Über uns Impressum Kontakt Mediadaten
suchen:
© 2007 Titel-Magazin
Highlight
» Uwe Tellkamp: Der Turm (Ein Lektürebericht) (01. Dez 2008)

Buch der Woche
» Ivan Vladislavic: Johannesburg - Insel aus Zufall (01. Dez 2008)

CD der Woche
» Various: Roll Your Moneymaker (27. Nov 2008)

Aktuelle Kolumne
» Quotendummheit (01. Dez 2008)

Film der Woche
» Max Payne (20. Nov 2008)

Titel-Menü

Fiction
· Romane
· Kurzprosa
· Lyrik
· Krimi
· Kinder&Jugend
· Hörbuch/spiel
· Klassiker
· Neuer Wort Schatz

Non Fiction
· Biographien
· Kunst&Kultur
· Politik&Gesellschaft
· Science

Specials
· Titel-Podcast
· Tretters Wochenrückblick
· Autorenliste
· Porträts&Interviews
· Themen
· Taschenbuch
· Essay

Primärtexte
· Prosa
· Auszug
· Poesie
· Gesucht

Spektrum
· Crossover
· Musik
· Rothschilds CD-Tipp
· Film
· Götzendienste
Unsere News für Sie
Partner













Anmeldung
 





Registrierung
Online
Es sind 269 Besucher und 0 Mitglieder online..

Anmeldung

   
[Romane]
» Juan Carlos Onetti: Leichensammler. Die Werft.
 
geschrieben von: Thomas Combrink
am Samstag, 03. Dezember 2005
druckerfreundliche Ansicht Beitrag per E-Mail versenden
Die kleinen Dinge des Lebens

Was für ein mächtiger Fluss aus Buchstaben, Wörtern und Sätzen, den Juan Carlos Onetti durch die Literaturlandschaft leitet! Was für eine abgehalfterte, poröse, dunkle aber auch wunderbar schillernde Gestalt dieser Larsen, oder auch Leichensammler, doch ist!


Fast ist man geneigt zu glauben, dass Zeit eine der Hauptrollen innerhalb der Arbeiten Juan Carlos Onettis spielt. Der 1909 in Montevideo als Sohn eines uruguayischen Zollbeamten und seiner brasilianischen Frau geborene Dichter emigrierte 1975 nach Madrid, wo er 1994 verstarb. Sein langes Leben verbrachte er neben der Schriftstellerei mit Tätigkeiten bei Zeitungen, einer Werbeagentur oder als Direktor der Städtischen Bibliotheken von Montevideo. In der bei Suhrkamp auf sechs Bände angelegten Werkausgabe ist nun der dritte Band erschienen mit den beiden Romanen „Leichensammler“ und „Die Werft“. Der Vorteil dieser beginnenden Ausgabe liegt in der sich dadurch hoffentlich erhöhenden Popularität von Onetti, einem Autor, dem sicherlich in deutschen Gefilden eine breitere Rezeption gut täte. Neben den Romanen findet sich noch ein angemessen proportionierter Anhang in diesem Buch, der den Einstieg in die Lebens- und Literaturwelt Onettis erleichtert.

Prosa nach dem Akupunkturprinzip
Seine Prosa funktioniert nach dem Akupunkturprinzip; es ist keine generelle, alles präzise und vollständig erfassende Erzählweise – oft wird der Ausdruck Detailrealismus ja missverstanden im Sinne eines inventarisierenden, jede noch so unscheinbarste Kleinigkeit vernehmenden Erzählens -, sondern eher der Blick auf die entscheidenden Zeitpunkte und ausschlaggebenden Momente im Agieren der einzelnen Charaktere: „...dann stand er auf, ließ zwei speichelfeuchte Finger über die Bügelfalten seiner Hosenbeine gleiten, hob das am Vortag in Buenos Aires erschienene Abendblatt auf und mischte sich unter die Leute...“. Hier geht es um Larsen, auch genannt Leichsammler, der in beiden Romanen auftaucht, und die eigentliche Entdeckung, das bestürzend Besondere liegt bei diesem Zitat in der peniblen Geste seiner Finger, die sich um den akkuraten Sitz der Bügelfalten bemühen, eine Beobachtung, die sich unserer alltäglichen Aufmerksamkeit häufig entzieht, aber trotzdem natürlich noch viel mehr ist als die schlichte und unaufregende Tatsache eines knappen Blickes auf die Manieriertheiten einer Person, denn o­netti gelingt es seinen Figuren Leben einzuhauchen, indem er sie einer strikten Funktionalität entbindet, was bedeuten soll, dass der Eindruck von ihnen, der sich im Kopf des Lesers mit jeder Seite der Lektüre plastischer und konkreter gestaltet, eher vom obskuren, aber elementaren Detail ausgeht, als von einer anderen, wie auch immer gearteten Wichtigkeit. In der Tat erfordert die Beschäftigung mit diesen beiden Romanen Kondition; auch das hängt mit Onettis Sinn für Zeit oder präziser ausgedrückt, für die Möglichkeiten der Literatur den Prozess des Lesens zu verlangsamen. Fast möchte man etwas grimmig meinen, der Autor produziere eine hochinteressante Langeweile, und tatsächlich lassen sich diese beiden Romane auf die doppelte Länge gestreckt nur schlechterdings ohne enorme Ermüdung vorstellen.

Kalkulierte Langeweile
Der enge inhaltliche Zusammenhang beider Romane rührt auch daher, dass Juan Carlos Onetti sich für die Figur des Zuhälters Larsen sein Leben lang begeistern konnte und dass die Wirklichkeiten, die er um Leichensammler herumbaut, in beiden Arbeiten eine ähnliche Atmosphäre besitzen. In dem Roman „Leichensammler“ versucht Larsen in der Stadt Santa María ein Bordell zu errichten, aber gleichzeitig geht es auch um das Verhältnis von Jorge Malabita zu Julita, der Witwe seines Bruders. Fünf Jahre später spielt die Handlung von „Die Werft“, in der Larsen – vom Gouverneur aus der Provinz verwiesen – zurückkehrt nach Santa María und versucht als Geschäftsführer einer abgetakelten Werft, diese wieder auf Vordermann zu bringen. Doch mit einer bloßen Paraphrase dessen, was sich in Santa María abspielt, lässt sich nur ungenau die Attraktivität der Prosa dieses südamerikanischen Schriftstellers kennzeichnen. Larsen ist eine undurchdringliche Gestalt - sicherlich vom Schlechten so beseelt wie vom Guten, und mit diesem monolithischen Charakter, bei dem man bereits früh schon ahnt, dass er zum Scheitern verdammt ist, kämpft der Leser, rackert sich ab an den Ecken und Kanten Larsens, in der Hoffnung im Nahe zu kommen und ihn ein wenig zu verstehen.

Thomas Combrink


Juan Carlos Onetti: Leichensammler. Die Werft. Gesammelte Werk. Herausgegeben von Jürgen Dormagen und Gerhard Poppenberg. Band III. Suhrkamp: Frankfurt am Main 2005. 549 Seiten. ISBN 3-518-41703-7. 32,- Euro.
 
verwandte Links
· mehr zu Fiction
· Beiträge von Thomas Combrink


Anzeige
Es geht
Newsletter
Anmelden
Abmelden
Powered byKBX7
Archiv
· Oktober 2008
· September 2008
· August 2008
· Juli 2008
· Juni 2008
· Mai 2008
· April 2008
· März 2008
· Februar 2008
· Januar 2008
· Dezember 2007
· November 2007
neue Beiträge
» Ivan Vladislavic: Johannesburg - Insel aus Zufall (01. Dez 2008)

» Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 49) (01. Dez 2008)

» Uwe Tellkamp: Der Turm (Ein Lektürebericht) (01. Dez 2008)

» José Eduardo Agualusa: Das Lachen des Geckos (01. Dez 2008)

» Neuer Wort Schatz (14): Katrin Marie Merten (01. Dez 2008)

» Brückner liest Melville (01. Dez 2008)

» Quotendummheit (01. Dez 2008)

» Alban Lefranc: Angriffe. Fassbinder, Vesper, Nico (01. Dez 2008)

» Samstag ist Krimitag (29. Nov 2008)

» Hörbuch: ARD-Radiotatort (29. Nov 2008)

» John le Carré: Marionetten (29. Nov 2008)

» Hubert Selby jr.: Galgenfrist (29. Nov 2008)

» Jean Amila: Motus! (29. Nov 2008)

» Krimi-Gedicht (29. Nov 2008)

» Ein Erfahrungsbericht (2): Uwe Tellkamp - Der Turm (27. Nov 2008)

» Various: Roll Your Moneymaker (27. Nov 2008)

» Death Race (27. Nov 2008)

» Konzertbericht: MGMT und Fleet Foxes // Huxleys (27. Nov 2008)

» Max Ernst: Traum und Revolution. (27. Nov 2008)

» Interview mit A Place To Bury Strangers (27. Nov 2008)

» Behl/Gerberding: Literarische Grandhotels der Schweiz (27. Nov 2008)

» Joe Zawinul & The Zawinul Syndicate: 75th (27. Nov 2008)

» Pija Lindenbaum: Paul und die Puppen. (ab 4 Jahren) (27. Nov 2008)

» Ein Erfahrungsbericht (1): Uwe Tellkamp - Der Turm (24. Nov 2008)

» Mannheim-Heidelberger Kinotage 2008 (24. Nov 2008)