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Der Kater

Juan Carlos Onetti

Viele unangenehme Dinge lassen sich über John erzählen oder einbilden. Aber niemals verdächtigte ich ihn einer Lüge; er empfand zuviel Abneigung gegenüber den Leuten, als dass er sich irgendein Märchen zu seinen Gunsten ausdächte.
So dass ich, als er mir – insbesondere mir – fröhlich und Dry Martinis trinkend die Geschichte eine seiner gescheiterten Heiraten erzählte, keine Zweifel hegte. Es war wie einen Film zu sehen und zu hören, ohne Möglichkeit des Neubeginns noch Befürchtungen bezüglich Glaubhaftigkeit. Es blieb auch keine Lücke für ein Lächeln.
Ich kam, eine Woche vorher, aus Paris und wollte die Gerüchte über mehr oder weniger gemeinsame Freunde aktualisieren, bestätigen oder auflösen, die mich während meiner Abwesenheit erreicht hatten.
John war ein gesprächiger Engländer und konnte sich mit Gleichgültigkeit, manchmal Mitleid, niemals Bosheit, über alles lustig machen.
Wir tranken und es ergab sich ein langes Schweigen: John schien unschlüssig zu sinnieren, die Stirn in Falten.
Er stellte sein Glas auf den Tisch und sagte mir, die Position seiner überschlagenen Beine und sein entschlossenes Profil beibehaltend:
"Sie war Französin und du kennst sie. Vielleich weißt du es, weil wir so gut wie verheiratet waren. Uns fehlte nur der Priester, der Richter und die Ankunft einiger alter und teurer Möbel, von denen sie sich nicht trennen wollte. Urgroßeltern und Großeltern und Eltern, fast die gesamte französische Geschichte. Mir ging es nur um sie, Marie. Jetzt kannst du suchen unter all den Maries, die du kennst. Ich war verrückt und manchmal denke ich, es war sexueller Wahn. Sie zu sehen genügte; ein vegessenes Taschentuch zu riechen genügte; ins Bad zugehen, nachdem sie herausgekommen war, genügte. Wir sahen uns jede Woche, hier oder in Paris. Zwei oder drei Tage hintereinander. Wir gingen und kamen zurück. Und mein Verlangen stieg jedesmal und ich gab mich ihm hin, wühlte in ihm; ich wollte mehr und mehr. Und jedes Mehr war wie eine Stufe, die mich drängte, eine weitere zu betreten. Immer abwärts, denn ich wusste, dass ich imstande war, Gesundheit und Gehirn zu velieren."
Ohne davon abzulassen, mir eine Schulter hinzuhalten, gab er Jeeves ein Zeichen und es kamen zwei Gläser: Dry Martini für ihn und ein Gin Tonic für mich. Er zündete die Pfeife an (er wusste, dass Rauchen meinen Tod beschleunigen würde) und dachte einen Moment nach, fast lächelnd, mit Lippen, welche die Freude nicht versüßte. Wie immer bei derartigen Geschichten bewahrte ich Schweigen, abwartend. Ich wurde belohnt. Johny sagte, ohne mich anzuschauen:
"Den Kater nannte ich Edgar. Und nicht, weil es ein schwarzer Kater mit weißen Horror-Symbolen auf der Brust war.
Eines nachts, in der Marie, wie geplant, am Flughafen ankam. Ich empfing sie, wir tranken Cocktails mit der Freude wie immer. Wir stießen auf das eheliche Glück an. Das ist nicht zum Lachen, aber es ist komisch. Wir gingen Abendessen und danach in meine Wohnung. Ich sagte dir nicht, weil ich es nicht weiß und es mir vielleicht egal ist, dass die Concierge und Halbchefin versessen auf mich war oder mich einfach ohne Unterlass hasste. Irgend so was.
Wir traten ein und ich machte das Licht an. Sie war noch nie da gewesen. Sie blickte sich um mit einem Lächlen, das wie angeborene Zustimmung war. Ich sah, wir sahen, mitten auf dem großen Bett, mit weißem Bezug à la Fräulein, einen schwarzen, großen, dicken Kater. Ein Kater, den ich zum ersten mal sah und der es gewohnt schien, hier zu schnurren. Die Pfoten unter der Brust abgewinkelt schaute er uns mit neugiergen Augen an und schloss sie wieder. Bis heute weiß ich nicht, wie er hatte hereinkommen können. Ich vermute etwas, bestenfalls. Ich ging vor, um ihm den Rücken und den Hals zu kraulen, und da explodierte sie. Ich solle den widerliche Kater rauswerfen, er würde das Bett voller Läuse machen. Schreiend und auf den Boden stampfend. Ich zündete mir eine Zigarette an und öffnete die Tür. Ich sagte ihr, dass es mich erfreut hätte, unvermutete jemand angetroffen zu haben, der uns willkommen hieß. Sie behandelte mich wie einen Vollidioten und klatsche in die Hände, bis der Kater zur Tür und die Dunkelheit des Hausgangs lief. Nun gut, trinken wir noch ein Glas, genug des Vorworts. Was geschah ist einfach und für mich sehr schwer zu erklären. In diesem Moment war mir klar, dass ich diese Frau niemals würde heiraten können; dass es unmöglich wäre, mit ihr zusammenzuleben. Ich sagte es ihr nicht in jenem Moment und der Rest der Nacht bis zur Erschöpfung im Morgengrauen verlief, wie wir es geahnt und gewollte hatten."
Er trank eine Schluck, zündete erneut die Pfeife an und lächelte fröhlich und herausfordernd. Jetzt wandte er sich mir zu, um mir in die Augen zu schauen, und sagte:
"Was jedem intelligenten Typ erklärt, warum ich seitdem nur Affairen hatte und mir vorgenommen habe, dass sie von kurzer Dauer sind."




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