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Die Zeugenaussage"Das Foto stand auf dem Schreibtisch zwischen Tintenfass und Kalender. Die Köpfe der drei widerlichen Neffen und Nichten von Queca bemühten ihr Lächeln in Erwartung des Moments, da der Mann, der mir die Bürohälfte vermietet hatte – er hieß Onetti, lächelte nicht, trug eine Brille und ließ ahnen, dass er nur grillenhaften Frauen und engen Freunden sympatisch sein konnte –, dass er sich irgend wann mal, im Hunger des Mittags oder Nachmittgs, zu der Dummheit, die ich ihm zutraute, verleiten ließ und die Pflicht akzeptierte, sich für sie zu interessieren. Aber der Mann mit dem gelangweilten Gesicht brachte es nicht zu der Frage nach Herkunft oder Zukunft der fotografierten Neffen. "Hübsch, nicht wahr" hätte ich gesagt, "das kleine Weibchen ist süß"; und ohne mit der Wimper zu zucken würde ich auf das Mädchen schauen, das die Oberlippe bis in alle Ewigkeit hob, mit großer Schleife im Haar und Augen ohne Unschuld. Es gab keine Fragen, kein Anzeichen des Wunsches nach Intimität. Onetti begrüßte mich mit Einsilbern, denen er ein undeutliches Schwingen von Sympathie, einen unpersönlichen Spott beimischte. Er begrüßte mich um zehn, bat um elf nach einem Kaffee, kümmerte sich um Besuche und das Telefon, blätterte in Papieren, rauchte ohne Beklemmung, unterhielt sich mit ernster, unveränderlicher, träger Stimme."
(Juan Carlos Onetti: La vida breve. Sudamericana, Buenos Aires 1950 / Das kurze Leben. Suhrkamp, Frankfurt 1976) Seite senden | Druckversion | 892 Abrufe
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