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Schlechter Tag zum Fischen / Mal día para pescar / Bad day to go fishingÁlvaro Brechner Der Film Nach einer langen Unterhaltung über das Filmvorhaben, willigte Dolly Onetti ein, mir die Rechte an der Erzählung zu übertragen. Daraufhin habe ich im Oktober 2005 begonnen, die erste Fassung des Drehbuchs auszuarbeiten. Ich wollte dies mit größtmöglicher Freiheit tun. Obwohl sich viele für Onettis Werk charakteristische Elemente auch in dieser Erzählung wiederfinden, wollte ich einigen der bei den Figuren der literarischen Vorlage nur angedeuteten Handlungsfäden aus einer ausschließlich filmischen Perspektive nachgehen. Ich beschloss außerdem, die von ihrer Ästhetik her zeitlose Geschichte in den 1980er Jahren anzusiedeln. In Uruguay lebt über die Hälfte der Einwohner in der Hauptstadt Montevideo. Die übrigen anderthalb Millionen Uruguayer verteilen sich auf Kleinstädte, die um 1780 von europäischen Einwanderern mit ihrer Vorstellung von Modernität, Kultur und Wohlstand gegründet wurden. Jahrhunderte später haben sich diese Städte kaum weiterentwickelt. Sie befinden sich im Ruhezustand, wie in einer Warteschleife, apathisch angesichts des Fortschritts und gleichgültig gegenüber der Zukunft. In eine dieser Städte kommen der Weltmeister im Freistilringen, Jakob, und sein Manager Orsini, zwei Ausländer, die ebenfalls beschlossen haben, die Zukunft aufzuschieben und dem Schicksal zu entfliehen. Sie sind Gefangene einer ewigen Gegenwart, einer Routine, die sie vom Vorhaben, Ruhm und Ehre zu erlangen, abgebracht hat. Als ob es eine stillschweigende Vereinbarung zwischen ihnen gäbe, haben die beiden Protagonisten die gefälschten, weil gekauften Siege bei den Showkämpfen gefeiert. Auf diese Weise überspielen sie, dass sich die Heldengeschichte von Jakob im Laufe der Zeit überlebt hat und längst Vergangenheit ist. Aber als sie in einer Umgebung landen, die ihnen erstmals ernsthaften Widerstand entgegenbringt, müssen sich beide Protagonisten ihrem Schicksal stellen. Der Manager muss entscheiden, was getan werden soll. Er steckt er in einem moralischen und ethischem Dilemma in Bezug auf seinen Freund: entweder er macht weiter mit einer Lüge, die er schon zu lange aufrecht erhält oder er riskiert eine ernste und unmittelbar bevorstehende Gefahr. Ein Ladenbesitzer aus dem Städtchen fordert den Ringer zum Kampf heraus, da er die ausgesetzte Siegprämie benötigt. Seine Braut erwartet ein Kind. Er ist jünger und stärker als Jakob, und Orsini befürchtet das Schlimmste. Er weiß, dass das Ende jetzt nicht mehr aufzuhalten ist. “Schlechter Tag zum Fischen“ ist eine Tragikomödie über Menschen, die sich an einem Scheideweg befinden. Ich möchte eine einfache Geschichte voll Zärtlichkeit, Aufrichtigkeit und Humor erzählen. Sie handelt von Menschen, die versuchen uns zu überzeugen, dass das Kämpfen um unsere Träume, auch wenn man müde und erschöpft ist, uns menschlicher macht und dass Werte wie Freundschaft, Treue, Mut und Solidarität auch in einem absurden Umfeld ihren Platz haben. Visuelle Aspekte Obwohl es sich um einen Farbfilm handelt, ist beabsichtigt, dem schroffen Kontrast der schwarz-weiss Filme des Film Noir nahezukommen. Dies geschieht durch den Einsatz von hartem, stilisiertem Licht mit klar definierten Schatten sowie dichtem und undurchdringlichem Schwarz. In diesem Ambiente von Schatten und hartem Licht bewegen sich die Figuren, die abwechselnd in einer lichtdurchfluteten bzw. dunklen Umgebung auftreten. Dadurch soll eine erwartungsvolle und gleichzeitig eine Atmosphäre der Unsicherheit geschaffen werden, ein bestimmtes Gefühl der Leere, das das Publikum als „Innensicht“ der Figuren interpretieren kann. Jeder Drehort (Bar, Apollo-Kino, Hotelzimmer, Redaktionsräume der Zeitung) ist von einer spezifischen Figur bestimmt. Orsini fühlt sich an keinem dieser Orte „zuhause“. Daher sieht er sich gezwungen, an jedem dieser Orte eine andere Rolle zu spielen. Dabei macht er den anderen immer etwas vor und ist nie er selbst. Das Licht wird eingesetzt, um zu betonen, welche Wirkung alle diese Orte auf den Manager haben; das Spektrum reicht von Ruhe bis zu Feindseeligkeit. Dies geschieht nie auf direkte Art und Weise sondern aus einer subjektiven Perspektive heraus, die sich auf die Beweggründe für sein Handeln (die des Verkäufers, des Beschützers oder von jemandem, der Angst hat) konzentriert. Ein Beispiel dafür ist das Hotelzimmer (der Raum von Jakob), wo die Abfolge von Tagesanbrüchen und Abendstimmungen gewissermaßen eine Entsprechung in der jeweiligen Laune von Jakob findet. Weitere Beispiele sind das Licht bei Orsinis Treffen mit Adriana (verführerisch), beim Gespräch mit Ronnie Lima (angenehme, bekannte und entspannte Atmosphäre) oder das langweilige und monotone Licht von oben, ohne Tiefenwirkung, das ihn in den Szenen mit der Kartenverkäuferin begleitet. Mit dem Ziel, eine einheitliche Linie zu bewahren, handelt es sich dabei um kleinere Lichtwechsel, die nicht allzu intensiv ausfallen werden. “Schlechter Tag zum Fischen“ ist ein Film der Tagesanbrüche und Abenddämmerungen. Im wörtlichen wie im metaphorischen Sinne. Daher wird dieser Film mit Farbtönen arbeiten, die ins Orange gehen. Bei der Ausstattung und den Kostümen wird ein sehr eingeschränktes Farbspektrum zum Tragen kommen, das allerdings einen hohen Sättigungsgrad aufweist. Es handelt sich um einen Film mit wenigen aber intensiven Farben. “Schlechter Tag zum Fischen“ ist ein Film, bei dem nichts so ist, wie es den Anschein macht. Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Art, wie sich die Figuren in der Öffentlichkeit geben, und wie sie sich im Familien- und Freundeskreis verhalten. Um ihre Vereinzelung und Einsamkeit zu zeigen, werden viele Einstellungen von außen gefilmt, wobei deutlich wird, dass die Fenster die verborgene Innenwelt der Figuren von den anderen Bewohnern trennen. So funktioniert das Verhältnis zwischen Innen- und Außenräumen als Trennung zwischen der realen und der imaginären Welt. Die Außensequenzen (Platz, Straßen, Auto) und die Sequenzen in großen Innenräumen wie dem Theater Apollo stehen im Gegensatz zu den Szenen, die sich in kleinen Innenräumen (Hotelzimmer, Redaktion der Zeitung) abspielen. Die Außenaufnahmen werden in weiten Einstellungen, in denen sich die Handlung entwickelt, gefilmt. Sie werden direkt an Nahaufnahmen geschnitten, wobei Zwischenstellungen vermieden werden. Bei den Sequenzen in Innenräumen wie dem Hotel oder der Zeitung wird der Wechsel der Einstellungen auf Grund der Bewegung der Figuren im Bild bestimmt, und nicht von der Bewegung der Kamera. Die Handlungen der Schauspieler stehen im Mittelpunkt dieser Szenen. Die Kamera wird die Bewegungen der Schauspieler in weiten Einstellungen verfolgen, um Schnitte zu vermeiden. Ziel ist es, die beklemmende und klaustrophobische Atmosphäre stickiger Zimmer zu schaffen, in denen man nur atmen kann, wenn ein Fenster geöffnet wird. Drehorte Obwohl der Film eine ästhetische und konzeptionelle Einheit aufweisen wird, werden die Außenaufnahmen in verschiedenen Kleinstädten Uruguays und Argentiniens gedreht. Dadurch soll vermieden werden, dass die Handlung mit einer ganz bestimmten Stadt in Verbindung gebracht wird. Die meisten Außenaufnahmen werden in der Stadt Mercedes gefilmt werden, aber es gibt auch geeignete Drehorte in anderen Ortschaften, wie beispielsweise das alte Kino "Helvético" in der Stadt Colonia Suiza. Obwohl der Film gegen Ende der 1980er Jahre spielt, werden die Drehorte nicht speziell für den Film eingerichtet. Es werden vielmehr Drehorte gesucht, die eine Art der Zeitlosigkeit vermitteln, so wie dies schon in meinem Kurzfilm "The Nine Mile Walk" der Fall war. Die Hauptpersonen Bewusst nutzt er seinen perfektionistischen Charakter, um seine Gefühle nicht zu zeigen. Er fühlt sich wohl, wenn er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht und ist ein Vermittler in jeder Situation. Er beherrscht verschiedene Sprachen – beim Reden vermischt er Dialekte und Aussprüche diversen Ursprungs – und es macht ihm Spaß, sich Fremden gegenüber als gebildet und bewandert in allen nur denkbaren Themen darzustellen. Es ist ihm egal, dass viele Leute ihn für einen Angeber halten, und er erwidert nichts, wenn man ihn deshalb auslacht. Er ist ein Gewohnheitsmensch, der alles vorplant und Angst hat, nicht mehr Herr der Lage zu sein. Gibt jemand anderes den Ton an, fühlt sich Orsini orientierungslos, unwohl und schutzlos, da er nicht weiß, was ihn erwartet. Seine größte Freude ist der Wettkampf in allen denkbaren Facetten. Durch die Konkurrenz mit anderen kann er das erreichen, wonach er sich am meisten sehnt: Die Wertschätzung anderer Menschen sowie mehr Selbstachtung. Die Dynamik, in die Orsini und Jakob wegen der Schaukämpfe des ehemaligen Ringerweltmeisters verwickelt sind, ist für den Manager reine Routine. Orsini hat es sich selbst zur Aufgabe gemacht, sich um Jakob zu kümmern, selbst wenn er ihn dafür belügen und ihm etwas vormachen muss. Die Art seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist gewissermaßen Teil seiner Vorstellungswelt und seiner Persönlichkeit. Dabei muss er ständig versuchen, Jakob abzulenken, da er fürchtet, sein Schützling könne die Wahrheit herausfinden. Angesichts des Unabwendbaren ist sich Orsini darüber im klaren, dass die Träume, denen beide so intensiv nachgehangen haben, nicht Wirklichkeit sind. Sein einziges Ziel ist nun, darum zu kämpfen, das vorhersehbare Ende so lange wie möglich hinauszuzögern. Jakob Trotz seines Alters und aller Schwierigkeiten hält er weiter an den selben großen Hoffnungen fest, die er schon als Jugendlicher hatte, als er das gut ausgestattete Sportleistungszentrum in Leipzig in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik besuchte, eine Schule, an der nur ausgewählte Talente aufgenommen wurden. Der Ringkampf ist sein Leben, und er muss kämpfen. Nicht aus finanziellen Gründen, sondern aus Stolz und um dem Heldenmythos gerecht und noch einmal Weltmeister zu werden. Da er sich sich für einen ungebundenen Menschen hält, ist er gern allein und lebt für den Augenblick, ohne dass ihm die Folgen seines Handelns irgendwelche Kopfschmerzem bereiten würden. Neuen Herausforderungen im Leben stellt er sich gern, da ihn diese sich jung und unbesiegbar fühlen lassen. Durch die lange Zeit, die er an seinen Manager bei der Promotion-Tour gefesselt ist, hat allerdings seine Begeisterung stark abgenommen. Jakob ist durcheinander und fühlt sich in den billigen Hotelzimmern wie ein Gefangener. In seinem Inneren spürt er, dass ihn das alles zerstören wird. Er ist bereit, alles zu tun, um dieser Situation ein Ende zu bereiten. Er will unbedingt sehen, ob seine Träume noch Gültigkeit haben, auch wenn er dafür sein Leben aufs Spiel setzen muss. Adriana Die Mitteilung, dass sie schwanger ist, löst bei ihr eine große innere Krise aus, denn sie fürchtet, ihre Anziehungskraft zu verlieren. Als sie die Möglichkeit dazu sieht, zögert sie keinen Moment, dieser Gefahr die Stirn zu bieten. Als sich die Gelegenheit für ihren Verlobten bietet, bei einem Schaukampf gegen Jakob anzutreten, zögert sie daher nicht, ihn zu drängen, die Herausforderung anzunehmen. Sie braucht das ausgesetzte Preisgeld, um den Vater des Kindes so schnell wie möglich heiraten zu können. Gleichzeitig hält sie dies für eine unwiederbringliche Gelegenheit, um zu sehen, wieviel Einsatz ihr Verlobter tatsächlich bereit ist, für sie zu zeigen. Heber Machtbeziehungen charakterisieren seine Art der Verbindung mit anderen Menschen. Ihre Grundlage ist ein gut geplanter Austausch, bei dem Heber etwas gibt und dafür immer eine Gegenleistung erwartet. Er hat ein nachdrückliches Auftreten und ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Seine Leidenschaft besteht darin, die Macht anzuwenden, über die er mit der Zeitung, dem wichtigsten Kommunikationsmedium der kleinen Stadt, verfügt. Angeregt durch die Herausforderung, die die Ankunft eines Fremden (Orsini) darstellt, arbeitet er seinen Plan aus: Er will sich Orsini gegenüber als Verbündeter darstellen oder als geschickter Betrüger offenbaren, der Intrigen anzettelt, um seine Absichten in die Tat umzusetzen. Inicie sesión o regístrese para comentar | Enviar página | Fuente | Versión para imprimir | 99 lecturas
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