Wenn es nicht mehr wichtig ist (Schlusskapitel)

Juan Carlos Onetti

30. Oktober
Jetzt, definitiv, für immer in Monte, schreibe ich weiterhin Notizen, denn ich spüre, absurderweise, dass ich es tun muss, wie um ein heiliges Versprechen zu erfüllen, das ich nie gab und doch als mir auferlegt empfinde.
Ich hätte viel Geld mitbringen und es verdoppeln können in diesem Land, in dem es am Wie nicht mangelt. Doch ich bin mit genügend gekommen, um mir einen Lohn bis zum Tod zu sichern, frei von Arbeiten, Arbeitgebern und der unerwünschten Gesellschaft von Büro-Kollegen. Frei von dieser Pest, Gott sei Dank.
Ich lebe versteckt, wenn auch ohne das Wissen der Ordnungskräfte, die mich nicht in ihren Karteien haben.
Ich verstecke mich, weil es hier Menschen gibt, vor allem Frauen, deren Gesichter und Entsagungen ich mich weigere, nach so vielen Jahren kennenzulernen. Aus den gleichen Gründen gefällt es mir nicht im geringsten, ihnen mein heutiges Gesicht zu zeigen, zu erlauben, dass sie meine vergangenen, kleinen Schandtaten erahnen oder erraten.
Ich schrieb das Wort Tod, mit dem Wunsch es sei nicht mehr als das, ein mit zittrigen Fingern gezeichnetes Wort. Ich kann nicht sagen, dass mein Körper mich nie verraten oder meiner schlechten Behandlung wegen nach Rache verlangt habe. In diesem Abschnitt beginnt er lediglich, Analysen, Palpationen und chemische Begleiter zu empfehlen.
Ich weiß genau, dass er letztlich rebellieren und Schmerzen ansteigender Intensität benutzen wird, um mich zu zwingen ihn zu beachten, genau dann, wenn es nicht mehr allzu wichtig ist, beim Sich-Einlassen auf Überdruss und Resignation.
Noch einmal das Wort Tod, ohne die Notwendigkeit es zu schreiben. Es gibt in dieser Stadt einen Matrosen-Friedhof, schöner als das Gedicht. Und es gibt oder gab oder hat dort, zwischen Pflanzengrün und Wasser, ein Grab gegeben, in dessen Stein man den Namen meiner Familie meißelte. Mithin, an irgend einem widerwärtigen Tag im Monat August, Regen, Kälte und Wind, werde ich hingehen, um es zu belegen, mit ich weiß nicht welchen Nachbarn. Die Grabplatte schützt nicht ganz vor dem Regen, und außerdem, wie schon geschrieben wurde, wird es immer regnen.